Thüringen
Linkenmühlenbrücke: Steuerzahlerbund warnt vor Millionenverschwendung
Von MDR THÜRINGEN
Veröffentlicht 1. Oktober 2026

Thüringens einzige Autofähre soll verschwinden – und die geplante Brücke bleibt für die meisten Autos gesperrt. Was der Steuerzahlerbund an dem Projekt in Ostthüringen kritisiert.
12,4 Millionen Euro soll die Linkenmühlenbrücke am Hohenwarte-Stausee kosten. Der Steuerzahlerbund warnt in seinem aktuellen "Schwarzbuch" vor Verschwendung, weil die Brücke zunächst kaum für den Autoverkehr nutzbar sein soll. Die Landkreise halten dagegen. Von MDR THÜRINGEN Der Thüringer Bund der Steuerzahler kritisiert ein Brückenbauprojekt am Hohenwarte-Stausee in Ostthüringen, bei dem Verschwendung von Steuergeld in Millionenhöhe drohe.
Der Thüringer Fall der Linkenmühlenbrücke wurde in das neue "Schwarzbuch 2026/27" des Lobbyverbandes aufgenommen, das Beispiele für sorglosen Umgang mit Steuergeld in Deutschland auflistet. Nach Angaben des Verbandes wollten die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla-Kreis an dem großen Stausee eigentlich eine Straßenbrücke bauen - es gebe aber nur Fördergelder für eine Rad- und Fußgängerbrücke mit eingeschränktem Verkehr. Umweg für Touristen und Pendler Der Vorwurf: "Die neue Brücke wäre - außer für einige Anwohner - für den allgemeinen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt. Touristen und Pendler müssten 35 Kilometer um den Stausee fahren, da gleichzeitig der bestehende Fährverkehr eingestellt werden soll." Die Kosten beliefen sich auf 12,4 Millionen Euro.
Ein Sprecher des Landratsamtes des Saale-Orla-Kreises bezeichnete die Kritik an dem Projekt als überzogen. Die geplante Brücke, für die es rund sieben Millionen Euro Förderung vom Bund und mehr als vier Millionen Euro vom Land geben solle, sei nicht nur für Radfahrer und Fußgänger, sondern auch für den öffentlichen Nahverkehr und Rettungsdienste geplant. Er räumte ein, die Begrenzung auf den Anliegerverkehr sei nicht optimal. Kreis will Nutzungsmöglichkeiten erweitern Es gebe jedoch Nachverhandlungen, um die Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern, die derzeit durch die Förderregeln eingeschränkt seien.
Beide Kreistage hätten dem Projekt mehrheitlich zugestimmt. "Natürlich wäre eine Straßenbrücke schöner gewesen". Dafür sei jedoch keine Finanzierungsmöglichkeit gefunden worden. Der Sprecher des Landratsamtes bestätigte, dass Thüringens einzige Autofähre mit dem Brückenprojekt eingestellt werden solle.
Die Fähre sei bereits jetzt nur in der Saison in Betrieb und auch nur, wenn der Wasserstand es zulasse. Das sei derzeit nicht der Fall. Autofähre bisher oft genutzt "Aus unserer Sicht ist die Brücke in dieser Form sinnlos", sagte Grit Haucke vom Bund der Steuerzahler in Thüringen. Bei dem Projekt, für das im kommenden Jahr der Bau beginnen soll, drohe Verschwendung von Steuergeld.
Nach Angaben des Steuerzahlerbundes nutzen bisher jährlich rund 11.000 motorisierte Touristen und Anwohner die Autofähre, um das 200 Meter entfernte Ufer zu erreichen. Um die Förderung in Anspruch nehmen zu können, hätten sich die Landkreise verpflichtet, die Brücke über einen Zeitraum von 25 Jahren lediglich als Radweg- und Fußgängerbrücke mit Sondergenehmigung für die aktuell 289 Anwohner zweier Gemeinden sowie Busse und Rettungsfahrzeuge zu nutzen. Der Bund der Steuerzahler ist ein privater Verein, der sich politisch unter anderem für eine effiziente Verwendung von Steuergeld und solide Staatsfinanzen einsetzt, also die Neuverschuldung und Ausgaben des Bundes hinterfragt. Der Steuerzahlerbund betont, er sei parteipolitisch neutral, sein Schwarzbuch ist allerdings umstritten.
MDR/dpa (gh)