Thüringen
Jenas neue Osttangente: Wann und wie groß wird sie wirklich gebaut?
Von Olaf Nenninger, MDR THÜRINGEN
Veröffentlicht 14. September 2026

Jena will die Osttangente ausbauen. Doch Umweltverbände halten die Planung für überholt. Und selbst die Stadt will vor dem Baustart noch einmal prüfen, wie groß die Straße tatsächlich sein muss.
Jena will die Osttangente ausbauen und damit andere Straßen vom Verkehr entlasten. Doch Umweltverbände halten die Planung für überholt. Und selbst die Stadt will vor dem Baustart noch einmal prüfen, wie groß die Straße tatsächlich sein muss. Von Olaf Nenninger, MDR THÜRINGEN Breit zieht sich der Löbdergraben zwischen Jenas Altstadt und dem neuen Uni-Campus entlang: zwei Fahrspuren, Busse, Fahrräder, Fußgänger.
Vor allem im Berufsverkehr viele Autos. Dabei würde die Stadt diesen Bereich gern stärker mit der Innenstadt verbinden und den Verkehr deutlich reduzieren. Ein Schlüssel dafür soll die Osttangente sein. Die Idee klingt zunächst einfach: Autos sollen stärker auf einer großen Nord-Süd-Verbindung östlich des Zentrums gebündelt werden.
Dafür soll die B88 über "Am Eisenbahndamm" und "Am Anger" ausgebaut werden. Andere Strecken könnten im Gegenzug entlastet werden: neben dem Löbdergraben etwa die Verbindung über das Damenviertel und den Bereich der Karl-Liebknecht-Straße. Mehr Platz für Autos - aber auch für Fahrräder und Fußgänger Die Pläne sehen auf der Osttangente über weite Strecken vier Fahrspuren vor. Auch mehrere Kreuzungen sollen umgebaut werden.
Besonders aufwendig wird das am Anger. Die Kreuzung soll dabei sogar angehoben werden, unter anderem damit Regenwasser besser abfließen kann. Nach Angaben von Stadtentwicklungsdezernent Dirk Lange sollen zugleich durchgängige Radwege entstehen, die es dort heute noch nicht gibt. Auch für Fußgänger seien Verbesserungen an den Kreuzungen vorgesehen.
Hinzu kommen neue Bäume. Für Lange ist entscheidend, dass der Ausbau an anderer Stelle überhaupt erst eine Verkehrsberuhigung ermöglicht. Die Stadt wolle drei besonders sensible Bereiche entlasten: den Löbdergraben, die Karl-Liebknecht-Straße und den Bereich am Planetarium. BUND: Die Planung stammt aus einer anderen Zeit Dass Jena Verkehr aus diesen Bereichen herausholen will, findet auch der BUND richtig.
Der Streit beginnt bei der Frage, wie groß die Osttangente dafür sein muss. Stefan Jakobs vom BUND Jena hält die Grundlagen der Planung für überholt. Die Idee für den Ausbau sei bereits Anfang der 2000er-Jahre entstanden. Seitdem habe sich die Mobilität verändert: mehr Homeoffice, flexiblere Arbeitszeiten, mehr Wege mit dem Fahrrad und E-Bike.
Nach Ansicht des BUND berücksichtigt die Planung diese Entwicklung nicht ausreichend. "Da ist die Annahme, es geht so weiter, wie es 2010 und 2015 war", kritisiert Jakobs. So werde im Grunde angenommen, dass der Verkehr auch 2035 und 2045 noch ähnlich fließe. "Und da würden wir ein großes Fragezeichen dahinter setzen." Was ist bedarfsgerecht und was ist zu diesem Zeitpunkt das Richtige.
Für den Umweltverband passt das auch nicht zu den Klimazielen, die sich Jena inzwischen selbst gesetzt hat. Wenn künftig weniger Menschen mit dem Auto unterwegs sein sollen, müsse sich die Stadt fragen, ob sie dafür noch eine vierspurige Straße braucht. Hinzu kommt ein zweiter Zweifel: Der BUND stellt infrage, ob die erhoffte Entlastung überall tatsächlich eintritt. Für den östlichen Löbdergraben zeigten die Berechnungen zwar weniger Verkehr.
Für die Karl-Liebknecht-Straße erwartet Jakobs nach seiner Auswertung der Planung dagegen eher eine Zunahme. Auch die Stadt will noch einmal auf die Zahlen schauen Interessant ist: Auch im Rathaus gilt die heutige Planung offenbar nicht als in Stein gemeißelt. Lange räumt ein, dass sich die Verkehrszahlen verändern und der Anteil des Autoverkehrs sinkt. Bevor tatsächlich gebaut werde, müsse deshalb noch einmal geprüft werden, "was ist bedarfsgerecht und was ist zu diesem Zeitpunkt das Richtige".
Damit könnte am Ende auch die Frage wieder auf den Tisch kommen, ob die Osttangente tatsächlich überall in der heute vorgesehenen Größe gebaut werden muss. Denkbar sei nach Angaben Langes auch, schrittweise vorzugehen und zunächst einzelne Abschnitte auszubauen. Zeit dafür ist noch. Mit einem Baubeginn rechnet Lange frühestens Ende 2029, realistischer sei 2030.
Für die Arbeiten veranschlagt er weitere vier bis fünf Jahre. Die aktuelle Kostenschätzung liegt nach seinen Angaben zwischen 32 und 35 Millionen Euro. Ohne Fördermittel, sagt Lange, könne Jena das Projekt nicht finanzieren. Und auch rechtlich ist das Vorhaben noch nicht endgültig durch.
Nach Angaben des Thüringer Landesverwaltungsamtes läuft die vierwöchige Klagefrist ab jetzt. MDR (gh)