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Sachsen-Anhalt

Graffiti-Wand in Bitterfeld-Wolfen: Jugendliche sprayen legal statt illegal

Von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Veröffentlicht 14. September 2026

Graffiti-Wand in Bitterfeld-Wolfen: Jugendliche sprayen legal statt illegal

Neue Graffiti-Fläche in Bitterfeld-Wolfen: Beim Projekt "Wall4All" sprayen Kinder und Jugendliche legal statt illegal – kreativ, bunt und ohne Angst vor Strafe.

Graffiti-Schmierereien an Hausfassaden, Zäunen und Türen sorgen vielerorts für Ärger. Bitterfeld-Wolfen ist da keine Ausnahme. Abhilfe soll das Projekt "Wall4All" schaffen. Auf ausgewiesenen Flächen können sich Kinder und Jugendliche kreativ ausleben – ganz legal.

Nun ist eine weitere Fläche zum Bemalen freigegeben worden. Von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT Ungeduldig schüttelt Lilly die Farb-Dose in der Hand. "Ich finde die Kunst einfach toll, das macht weiße Wände einfach bunter." Die 15-Jährige strahlt. Sie sprüht zum ersten Mal in ihrem Leben: "Dadurch, dass wir hier ja verschiedene Menschen sind, macht jeder sein eigenes Motiv draus.

Jeder macht das, was er schön findet." Lilly hat sich einen übergroßen Pilz ausgedacht. In einem leuchtendem Lila-Ton. Bei der Skizze hilft ihr Christian Schelle. Er ist Graffiti-Künstler seit fast 30 Jahren und betreut das Projekt: "Die Kinder können sich hier künstlerisch ausprobieren.

Sie lernen auch, dass wir im Team arbeiten, aufeinander achten. Und Bilder von anderen werden nicht übermalt, aus Respekt". Große legale Wände, endlose Möglichkeiten für Kreativität Immer wieder gibt Schelle den jungen Künstlern Tipps zu Farben und Formen. Die jüngsten Teilnehmer sind 7 Jahre alt, die ältesten gerade volljährig.

Und "ihre" Wand wird zunehmend bunter. "Papier hört irgendwann auf, aber diese großen Flächen, bieten die Möglichkeit, immer noch ein Motiv, einen Charakter zu ergänzen, bis die verschiedenen Bilder sogar ineinander übergehen." Endlose Möglichkeiten also. Wir haben festgestellt, dass viele Jugendliche, und vor allen Dingen auch Kinder, sich mal ausprobieren wollen und sonst keine Möglichkeiten finden, ohne sich strafbar zu machen. Kann das Projekt illegale Schmierereien langfristig reduzieren?

Und die Fassade am Sozialkaufhaus Wolfen bietet zudem jede Menge Platz für die Jugend. Zwei Schilder an der Wand grenzen den Bereich ein, der bemalt werden darf. Markus Rönnike hat das mit den Eigentümern der Immobilie ausgehandelt. Es ist inzwischen die fünfte Fläche im Stadtgebiet, die für Graffiti freigeben wurde, sagt Rönnike nicht ohne Stolz.

"Wir haben festgestellt, dass viele Jugendliche, und vor allen Dingen auch Kinder, sich mal ausprobieren wollen und sonst keine Möglichkeiten finden, ohne sich strafbar zu machen", erzählt der Initiator. "Wall4All" – Graffiti-Wände für Alle zur legalen Nutzung. Kann das illegale Schmierereien tatsächlich reduzieren? Mehr Graffiti-Anzeigen trotz legaler Wände Auf den ersten Blick nicht.

Die Polizei in Bitterfeld-Wolfen registrierte im Jahr 2021 insgesamt 81 Fälle von Sachbeschädigung durch Graffiti. Fünf Jahre später waren es gut 30 Anzeigen mehr. Das könne aber verschiedene Ursachen haben, sagt Markus Rönnike nicht ohne Grund. So hätten die Schmierereien mit Fußball-Bezug in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Auch in Bitterfeld-Wolfen. "Das wird es immer geben, Sprayer, die Nervenkitzel und Anerkennung suchen", so Rönnike. Es werden so viele illegale Flächen genutzt, weil halt zu wenig freie Fassaden zur Verfügung stehen. Aber es gehe darum, auch alternative Angebote zu machen.

"Es werden so viele illegale Flächen genutzt, weil halt zu wenig freie Fassaden zur Verfügung stehen. Wenn es ganz viele legale Flächen gibt, wird entsprechend auch weniger illegal gesprüht." Und gleichzeitig könne man mit dem Projekt die junge Generation frühzeitig auf den richtigen Weg führen, sagt Rönnike. "Hier können Kinder und Jugendliche in Ruhe stundenlang malen, ohne Angst vor Konsequenzen haben zu müssen." Und es macht die Doppelstadt ein wenig schöner, findet der Initiator der Aktion. "Hauptsache es ist bunt und jeder hat Freude daran." Bunt statt grau – in Bitterfeld-Wolfen Der Spaßfaktor sei tatsächlich groß, bestätigt Lilly.

Die 15-Jährige findet ihren lilafarbenen Pilz sehr gelungen: "Mit den Farben und Schattierungen ist das schon ein bisschen knifflig, aber sieht doch gut aus dafür, dass ich das das erste Mal gemacht habe", sagt sie lachend. Und wie findet sie die illegalen Graffiti an Hauswänden? "Naja, ich halte nicht viel davon. Dann doch lieber auf Wänden, wo es erlaubt ist." Bunt statt grau – in Bitterfeld-Wolfen.

Bei den Jüngsten ist die Botschaft offenbar schon angekommen. Mehr zum Thema Graffiti in Sachsen-Anhalt MDR (Martin Krause, Ralph Häbig)

Quelle: Sachsen-Anhalt | Aktuelle Nachrichten, News und Videos