Bayern
Neues Regierungsmitglied Knoll: Minister wofür genau?
Von Petr Jerabek, Melanie Katharina Marks
Veröffentlicht 25. September 2026

JU-Landeschef Manuel Knoll soll erster bayerischer Minister für Jugend und Demokratie werden. Ein Signal an die Jugend, sagt Ministerpräsident Söder. Bayern hat allerdings schon eine zuständige Ministerin. Was ist von Knoll zu erwarten?
JU-Landeschef Manuel Knoll soll erster bayerischer Minister für Jugend und Demokratie werden. Ein Signal an die Jugend, sagt Ministerpräsident Söder. Bayern hat allerdings schon eine zuständige Ministerin. Was ist von Knoll zu erwarten?
Von Petr Jerabek, Melanie Katharina Marks Gut eineinhalb Stunden war Manuel Knoll am Donnerstagvormittag schon mal in der Bayerischen Staatskanzlei. Als er aus seiner künftigen Wirkungsstätte wieder rauskommt, berichtet er dem BR von einem "guten Gespräch", jetzt gehe es an die Feinplanung. Der CSU-Politiker soll am 1. Oktober Staatsminister für Jugend und Demokratie in der Staatskanzlei werden.
Ausgedacht hat sich den neuen Posten CSU-Chef und Ministerpräsident Markus Söder und dafür am Montag den CSU-Landtagsabgeordneten und Junge-Union-Landeschef vorgeschlagen. Was bisher bekannt ist. Warum ein Minister für Jugend und Demokratie? Söder zeigt sich besorgt über den wachsenden Zuspruch junger Menschen zu Parteien an den Rändern – angesichts der Erfolge der AfD und Linken bei den jüngsten Landtagswahlen.
"Ich möchte, dass junge Menschen bei uns, bei der Demokratie, bleiben", sagte er bei der CSU-Fraktionsklausur in Kloster Banz. Deswegen wolle er ein Signal für die Jugend setzen: mit einem "höchsten Ansprechpartner für junge Menschen im Freistaat". Wird ein zusätzlicher Ministerposten geschaffen? Nein.
"Wir bauen in der Staatskanzlei um", sagte Söder. "Es gibt jetzt keine extra Stellen." Dafür muss Europaminister Eric Beißwenger seinen Posten räumen. Seine Aufgaben übernimmt zusätzlich Staatskanzleichef Florian Herrmann. Ein zusätzlicher Ministerposten wäre auch nicht möglich gewesen: Die von der Bayerischen Verfassung festgelegte Höchstzahl von 17 Kabinettsmitgliedern ist mit 14 Ministern und drei Staatssekretären schon ausgeschöpft.
Wer ist bisher für die Jugend zuständig? Der Themenbereich Jugend gehört zu den Aufgaben des Ministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Es hat eine Abteilung "Jugend und Familie" mit Referaten wie "Jugendarbeit – Jugendpolitik" und "Jugendhilfe". In Veröffentlichungen des Ministeriums wird Ressortchefin Ulrike Scharf (CSU) auch als "Jugendministerin" bezeichnet.
In dieser Eigenschaft ist sie auch für Projekte zur Demokratiebildung und Wertevermittlung zuständig. Rund 40 Millionen Euro stehen dem Ministerium für die Jugendarbeit jährlich zur Verfügung. Warum Manuel Knoll? Laut Söder braucht es für das neue Amt jemanden, der sich mit Jugend und Demokratie beschäftigt.
"Da war aus meiner Sicht der Landesvorsitzende der Jungen Union der Richtige." Die JU Bayern, an deren Spitze Knoll seit 2025 steht, sei der größte politische Jugendverband im Freistaat. Knoll habe "medial-kommunikative Erfahrung", auch mit Social Media, erläuterte der Ministerpräsident. Für den 36-Jährigen Knoll sprach zudem die regionale Herkunft: Ein ungeschriebenes Gesetz in der CSU ist, dass aus jedem Regierungsbezirk mindestens ein CSU-Minister stammen sollte. Söder ersetzt nun den Schwaben Beißwenger durch den Schwaben Knoll.
Auch parteitaktisch könnte es ein Schachzug sein: Die JU zählt mit der Frauenunion zu den größten Arbeitsgemeinschaften der CSU. In den vergangenen Monaten gab es vom Parteinachwuchs mehrfach Widerspruch für Söder, zum Beispiel bei der Mütterrente. Künftig ist neben Frauenunion-Landeschefin Scharf auch JU-Landeschef Knoll in die Kabinettsdisziplin eingebunden. Was soll Knoll tun?
Eine Aufgabe des neuen Ministers ist Söder zufolge, "Tag und Nacht unterwegs zu sein für Demokratie und Ansprechpartner für die Jungen sein". Knoll werde "Anwalt der Jungen" im Kabinett sein und bei "bestimmten Vorhaben" stets "einen Jugendcheck" machen. Er soll sich in Diskussionen mit Nichtregierungsorganisationen und politischen Gruppierungen auseinandersetzen und bei Gesprächen beispielsweise in Schulen ein "Werber der Demokratie" sein. Söder spricht von einer Querschnittsaufgabe, deswegen sei sie in der Staatskanzlei gut angesiedelt.
Knoll selbst sagt nach seinem ersten Termin in der Regierungszentrale über seine künftigen Aufgaben: Die "Feinabstimmung" sei noch am Anfang. Ein Jugend-Check für Gesetze sei ein Weg, um "mehr Nachhaltigkeit in der Gesetzgebung zu schaffen". Welche Kompetenzen und Mittel bekommt Knoll? Das ist noch offen.
Söder betonte, dass "alle anderen Zuständigkeiten" der Ministerien unverändert bleiben sollen, es werde auch nicht mehr Geld ausgegeben. Das wirft die Frage auf, was das für Knolls Arbeit bedeutet, zumal in der Staatskanzlei keine Aufgaben wegfallen, sondern neue dazukommen. Mit welchem Personal und Geld soll er arbeiten? Welche Verantwortlichkeiten soll er in Abgrenzung zu Scharf bekommen?
Ein Staatskanzleisprecher teilt dem BR mit, in Banz sei "zunächst einmal alles dazu gesagt" worden. "Weitere Informationen gibt es, sofern die Entscheidung vom Landtag bestätigt worden ist und der Minister sein Amt angetreten hat." Ändert sich etwas für das Sozialministerium? Antwort des Ministeriums: Der neue Minister fungiere als "Ansprechpartner und Schnittstelle im Kabinett, der bayernweit unterwegs ist und Gespräche mit den jungen Menschen sucht". Details zur konkreten Ausgestaltung folgten beim Amtsantritt.
Knoll versichert, er habe mit Ulrike Scharf schon früher sehr gut zusammengearbeitet und werde mit ihr auch jetzt "an einem Strang ziehen, um diesem wichtigen Thema mehr Gewicht zu verleihen". Was sagt eine Jugendforscherin? Regina von Görtz, Direktorin des Programms "Demokratie und Zusammenhalt" der Bertelsmann Stiftung, sieht in dem Posten eine Chance: Ein spezieller Jugendminister könne Jugendthemen "mehr Rückenwind geben", sie "im Querschnitt der Regierung pushen" und dafür sorgen, dass Jugendbeteiligung sichergestellt wird. Dafür müsse er allerdings innerhalb der Regierung "die Zuständigkeiten haben und entsprechend Ressourcen und eben auch selber politische Unterstützung für diese Themen organisieren und mobilisieren".
Nächste Woche soll der Landtag Knolls Aufstieg zum Minister beschließen, danach kann er vereidigt werden. Dann soll klarer sein, wie seine neue Tätigkeit aussehen soll. Das ist die Europäische Perspektive bei BR24. "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach.
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25.09.2026 - 05:20 Uhr